Gedanken über Inzest, Moral und Rassenhygiene
März 16, 2008 — PhilipEin sehr heikles Thema, zu dem ich mal ein paar Worte schreiben möchte. Inzest ist in Deutschland gesetzlich verboten, doch man sollte sich schon mal fragen, warum das eigentlich so ist. Ich vermute, dass die Mehrheitsbevölkerung (ebenso wie ich) moralische Vorbehalte gegen Inzest hat. Es handelt sich dabei auch um etwas, das durchweg in allen Kulturen verpöhnt ist.
Mit unseren definierten Grundrechten lässt sich das aber irgendwie nicht begründen, so dass das BVG in seinem Urteil zu einer abenteuerlichen Begründung kommt. Ich kann nachvollziehen, dass durch das Inzestverbot die familiäre Ordnung gestützt wird. Aber es drängt sich die Frage auf, warum das über die Freiheit des Individuums gestellt wird, welche sonst nahezu immer stärker gewichtet wird.
Richtig seltsam wird aber dann schließlich das zweite Argument des Verfassungsgerichts.
Das Inzestverbot würde auch die Gesundheit der Bevölkerung schützen, weil Inzest eine größere Wahrscheinlichkeit von Erbschäden beinhaltet. So eine Argumentation ist meines Wissens völlig einzigartig in unserer Rechtsprechung und öffnet die Tür für eine neue Argumentationsgrundlage der Eugenik.
Gerade hier in Deutschland wurde durch die Nationalsozialisten eine besonders brutale Rassenhygiene betrieben und es wird wohl Zeit, dass wir uns das wieder ins Gedächtnis rufen.
Wird die Eugenik in Zukunft wieder salonfähig? Das halte ich für unwahrscheinlich, aber möglich. Für wahrscheinlicher halte ich, dass wir in naher Zukunft das Inzestverbot fallen lassen werden. Denn so wie es momentan ist, sehe ich einen Widerspruch zwischen Grundrechten und Rechtsprechung.
Da ich persönlich, wie oben geschrieben, moralische Vorbehalte gegen Inzest habe, bin ich dafür, dass wir überdenken, wie unsere Grundrechte definiert und gewichtet werden. Wir stecken momentan in einem Dilemma. Wir haben die Alternativen, Inzest zu erlauben, oder eine eugenische Argumentation zu billigen. Aber ich bin weder für das eine, noch das andere.
Eine dritte Möglichkeit sollte gesucht werden. Und die sehe ich darin, dass wir die Verpflichtung des Inviduums gegenüber der Gesellschaft in Zukunft wieder stärker betonen. Schließlich sagt das BVG zurecht, dass Inzest eine Belastung für den familiären Zusammenhalt und das gesellschaftliche Zusammenleben ist. Und nicht nur hier, sondern auch in anderen Bereichen fördern wir mit unserer Überbetonung der individuellen Freiheit eine egoistische Gesellschaft. Die negativen Auswirkungen davon werden langsam immer deutlicher und wir sollten beginnen, etwas dagegen zu unternehmen.
April 28, 2008 um 6:37 Uhr nachmittags
http://theolounge.wordpress.com/2008/04/28/gibt-es-die-holle/