Feindbild des Christentums
Mai 15, 2008 — PhilipAuch in der Bibel gibt es ein Feindbild. Das unterscheidet sich aber wesentlich von dem des Islam. Während im Koran der “Kampf” (=”Dschihad”) eine wichtige Stellung einnimmt, ist im Neuen Testament nicht sehr häufig von einem Kampf die Rede.
Darunter gibt es Bibelstellen, in denen Kampf negativ bewertet wird.
Woher kommt der Kampf unter euch, woher der Streit? Kommt’s nicht daher, dass in euren Gliedern die Gelüste gegeneinander streiten?
Ihr seid begierig und erlangt’s nicht; ihr mordet und neidet und gewinnt nichts; ihr streitet und kämpft und habt nichts, weil ihr nicht bittet;
ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr in übler Absicht bittet, nämlich damit ihr’s für eure Gelüste vergeuden könnt.
(Jak 4,1 ff)
Jakobus spricht dabei von dem Kampf, der aus der Sünde heraus entsteht. Dieser ist auf jeden Fall zu verurteilen. Denn wir wissen, dass Jesus gekommen ist, um das Reich Gottes aufzurichten. Und wo dieses Reich ist, da gibt es keine Sünde und wir sollen mit aller Kraft gegen die Sünde ankämpfen und sie mit Gottes Hilfe besiegen. Damit hätten wir auch schon das christliche Feindbild: “die Sünde” bzw. “das Böse”.
Besonders in den Paulusbriefen wird das Bild des Kampfes häufig aufgegriffen.
Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels.
Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.
Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt.
(Eph 6,11)
Sind sich Islam und Christentum hier vielleicht gar nicht so unähnlich? Beide sagen sie, dass sie für ihre Sache kämpfen wollen. Doch während im Islam klar ausgesagt wird, dass gegen die Ungläubigen (also gegen Menschen) gekämpft wird, steht in der Bibel ausdrücklich, dass sich der Kampf nicht gegen die Menschen (”nicht gegen Fleisch und Blut”), sondern gegen die bösen Mächte der Welt richtet, die von den Menschen Besitz ergriffen haben.
so wie auch ich jedermann in allem zu Gefallen lebe und suche nicht, was mir, sondern was vielen dient, damit sie gerettet werden.
(1 Kor 10,33)
Wir Christen kämpfen also nicht gegen, sondern für die Menschen. Wer sich Christ nennt und das nicht begriffen hat, der hat etwas entscheidendes verpasst. Wir kämpfen nicht nur für unsere Brüder und Schwestern, das ist nichts besonderes. Sondern wir kämpfen auch für die “Ungläubigen”, auf dass sie die Freiheit in Christus erlangen und nicht unter der Herrschaft der Sünde leiden müssen.
Der Mensch, der ursprünglich gut war (1. Mose 1,31), ist durch die Sünde verdorben worden. Dieser Mensch stellt sich gegen Gott und ist ihm feindlich gesinnt. Aber Gott liebt die Menschen und gibt jedem die Möglichkeit zur Umkehr. Gott will nicht, dass wir diese Menschen vernichten, sondern dass sie durch uns gerettet werden. Ziel ist es, den ursprünglichen Zustand des Menschen (so gut wie möglich) wiederherzustellen. Und dieser Kampf wird nicht durch Gewalt geführt, sondern durch Überzeugungsarbeit, nicht mit den Waffen der Welt, sondern mit den Waffen des Geistes, die man von Gott zu diesem Zweck erhält.
Ich selbst aber, Paulus, ermahne euch bei der Sanftmut und Güte Christi, [...]
Denn obwohl wir im Fleisch leben, kämpfen wir doch nicht auf fleischliche Weise.
Denn die Waffen unsres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig im Dienste Gottes, Festungen zu zerstören.
Wir zerstören damit Gedanken und alles Hohe, das sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, und nehmen gefangen alles Denken in den Gehorsam gegen Christus.
(1Kor 10,1 ff)
Ich weiß auch, dass die Geschichte des Christentums viele blutige Kapitel aufweist. Aber die Bibel fordert von uns, dass wir einen anderen Weg gehen. Gott ist dabei, die Vollkommenheit seiner Schöpfung wieder aufzurichten: kein Krieg, keine Gewalt, kein Streit, sondern Liebe, Friede und Freude. Und wir sollen dem Vollkommenen nacheifern: Jesus Christus. Und der sagt:
Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen;
segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.
(Lk 6,27 f)
Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?
Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.
(Mt 5,47 f)
Mai 18, 2008 um 3:59 Uhr nachmittags
Aber dieser Kampf gegen “das Böse” oder “den Bösen” ist meistens auch ein Kampf gegen sich selbst, gegen diesen “inneren Schweinehund”.
Weiters glaube ich, dass diese Aufforderung “perfekt zu sein”, also “vollkommen in der Liebe”, trotzdem ein gewisses Mass an Selbstverteidigung erlaubt. Natürlich soll man den Krieg, und jeden Form von Zwist, von der Wurzel her beseitigen, indem man nämlich so lebt, dass einen niemand angreifen WILL. Aber ach, es gibt auch eine Zeit des Konfliktes, und dann ist die Tugend des “Masshaltens” gefragt, Stichwort: bei einem Krieg kommt es immer darauf an, wer sich als erster verteidigt hat.
meint
Christoph
Mai 18, 2008 um 5:03 Uhr nachmittags
Naja, ich denke schon, dass “Vollkommenheit” wirklich bedeutet, so zu sein, wie Jesus es war. Und das beinhaltet auch KEINE GEWALT.
Aber du hast Recht, das ist vielleicht etwas zu vereinfacht dargestellt. Und wenn ich Frau und Kinder hätte, dann würde ich wahrscheinlich auch anders schreiben.
Zu dem Thema habe ich mir hier mal meine Gedanken gemacht:
http://frohebotschaft.wordpress.com/2008/01/04/gewaltlosigkeit-uber-alles/
Mai 22, 2008 um 1:27 Uhr nachmittags
Das Neue Testament hat menschliche Autoiren. Somit kann es auch nicht als göttliche Offenbarung betrachtet werden. Sie WIKIPEDIA > Bibel
Man hat Geschichten geschrieben:
[Das NT besteht aus erzählenden Schriften, vor allem den vier Evangelien:
* Matthäusevangelium
* Markusevangelium
* Lukasevangelium
* Johannesevangelium....]
Mai 22, 2008 um 7:35 Uhr nachmittags
Das Neue Testament hat menschliche Autoren, weil Gott mit Menschen zusammen arbeiten will.