Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
(Mt 5,3)
Als Kind dachte ich, damit wären geistig behinderte Menschen gemeint. Es steht hier aber „geistlich arm“ und nicht „geistig arm“, es ist also etwas ganz anderem die Rede. Meine Lutherbibel hat hier einen Querverweis auf Jesaja 57:
Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.
(Jes 57,15)
Geistliche Armut ist also ein innerer Zustand. „Zerschlagener und demütiger Geist“ steht hier bei Jesaja und das trifft wohl ziemlich gut das, was Jesus meint. Wenn man in Sorgen und Problemen ertrinkt, wenn man keine Perspektive im Leben mehr sieht, dann ist der Geist zerschlagen. Wenn man erkennt, dass die eigene Kraft nicht ausreicht und man Gottes Hilfe benötigt, dann hat man einen demütigen Geist.
Die geistliche Armut bildet den Einstieg in den Glauben, ist aber auch eine Geisteshaltung, die wir immer wieder üben sollten. An anderen Stellen redet Jesus von „Buße“ und „Umkehr zu Gott“, was ähnliche Begriffe sind und Grundvoraussetzung ist, um die Seligkeit zu erlangen.
Viele Menschen brauchen erst eine tiefe Lebenskrise, um zu Gott zu finden. Solange es einem gut geht, ist man nicht zerschlagen oder demütig. Aber wenn alles auf dem Tiefpunkt ist, erkennt man, dass man sich selbst nicht helfen kann.
Und dann, wenn die letzte Hoffnung verloren scheint, ist Gott immer noch da. Er ist bei diesen Menschen und Jesus sagt zu ihnen: „Ihr seid selig“. Und er gibt ihnen wieder eine Perspektive für ihr Leben: „Euch gehört das Himmelreich“.
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Pingback on Jul 7th, 2008 at 10:42
[...] Seligpreisungen – Der Weg zum Glück Juli 7, 2008 — Philip Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Selig sind die Sanftmütigen; [...]
Juli 8, 2008 at 5:05
Hast Recht Philip mit dem zerbrochenen Gemüt und Herzen vor Gott zu leben und Sein.
Doch geistlich arm sein vor Gott heißt auch, so wenig wie möglich von dem Geist der Welt und der weltlichen Weisheit in seinem Innern und äußerem Leben anzunehmen und auszuleben.
Dafür dieses Vakuum in seinem Innern, mit der Fülle des Heiligen Geistes auszufüllen, welches geschieht durch Gehorsam, Glauben,Liebe zu Gott und allen Menschen, auch den Wunderlichen, doch ganz besonders,
durch Loben und Preisen Gott mit einer reinen Absicht und Aufmerken,seinen Namen zu bekennen, auch wenn es manchen Menschen heute nicht passt.
Zu dem hat uns Christus erlöst, dass wir IHM nachfolgen so,
Wie Er Gott nachgefolgt ist in allem.
„Wer sein Kreuz nicht annimmt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein,
Wer nicht absagt allem, was die Welt mit ihrer Sünde und angeblicher „Herrlichkeit“ anbietet, der kann nicht mein Jünger sein, spricht der Christus,
der vor aller Herzenstür der Menschen steht und bittet um Einlass“.
Juli 12, 2008 at 11:59
Hi Philip,
interessantes Thema wozu ich mir auch schon Gedanken gemacht habe – geistliche Armut und arm im Geist zielt meines erachtens weder auf seelische Zustände, die den Geist betrüben, noch auf den Geist der Welt:
…doch geistliches Leben lässt sich nicht willentlich bewirken, noch lassen sich geistliche Erfahrungen und Erlebnisse für morgen speichern. Daher ist der Gläubige, der zwar ein Leben der Heiligung führt, Bibelwissen und geistliche Erkenntnisse hat, ABER NICHT DARAUF BAUT, sondern der einzig in kindlichem Vertrauen, mit wachem, ungetrübtem Geist und in aller Demut und Hingabe die Segnungen, Offenbarungen und die Führung durch den Heiligen Geist von Gott empfängt, der Einzige, dem heute bereits das Himmelreich offensteht und der darin selig ist.
Nur ein solcher erweckter, aber in sich armer (bedürftiger / empfangender) Geist, kann durch Gottes Geist erfüllt werden.
Soweit ein Zitat dazu aus meinem Blogeintrag vom 20. März mit dem gleichen Thema. Da ich das heute kaum anders formulieren würde, habe ich mich einfach mal selber zitiert
Segen
Juli 12, 2008 at 2:58
Wow.
Peter und Bento,
danke für eure Auslegungen. Bis vor kurzem konnte ich mit dem Vers nicht viel anfangen und jetzt kommen da gleich so viele gehaltvolle Antworten …