Die Krankheiten, mit denen Jesus zu tun gehabt hat und die er geheilt hat, haben ja auch immer eine Bedeutung in der geistlichen Ebene. Ich denke, dass jeder Mensch auf seine eigene Art und Weise unter der Sünde leidet und sie verarbeitet. Ich habe mir mal ein paar Gedanken gemacht, was die Krankheiten bedeuten könnten.

Blindheit
Der geistlich Blinde hat ein besonders großes Problem, Gott zu erkennen. Denn in geistlichen Dingen ist er einfach blind und kann sie nicht verstehen. Wo andere von Gott ein unscharfes Bild vorgezeichnet bekommen und die verbleibende Unsicherheit mit dem Glauben überwinden, kann der Blinde überhaupt nichts sehen. Deshalb tut er sich besonders schwer damit, sich auf den Glauben einzulassen.
(Lies Matthäus 9,27-30)

Lähmung
Der geistlich Gelähmte leidet in besonderer Weise unter seinem schlechten Gewissen, oder vielleicht auch unter traumatischen Erlebnissen. Das führt dazu, dass er geistlich „blockiert“ bzw. gelähmt ist. Er kann sich geistlich nicht bewegen und verharrt in einer negativen und ungesunden Geisteshaltung, was sich dann in besonders harten Fällen zum Beispiel in Depressionen festsetzen könnte.
(Lies Markus 2,1-11)

Aussatz (Lepra)
Der geistlich Aussätzige ist sowas wie das Gegenstück zu dem Gelähmten. Seine geistlichen Nerven (sein Gewissen) sterben ab und er hat kein (oder nur noch ein schwaches) Empfinden für das, was richtig oder falsch ist. Das führt einerseits dazu, dass er in Konflikt mit gesellschaftlichen Regeln gerät und von der Gesellschaft ausgestoßen bzw. an den Rand gedrängt wird. Andererseits verstümmelt er seine Seele von Zeit zu Zeit, weil er geistlich gesehen einfach nichts spürt.
(Lies Matthäus 8,2-4)

Besessenheit
Der geistlich Besessene hat vielleicht ein bisschen Ähnlichkeit zu dem Gelähmten. Allerdings ist es bei ihm nicht so, dass er Dinge, die er tun will, nicht tun kann, sondern dass er Dinge tut, die er nicht tun will. Er ist sozusagen fremdbestimmt und hat nicht mehr die volle Kontrolle über sich selbst. Sowas könnte sich z.B. in einer Sucht äußern, aber natürlich auch in ganz anderen Formen.
(Lies Lukas 8,26-39)

Das heißt jetzt nicht, dass man alle Menschen da glatt einsortieren könnte. Matthäus 12,22 berichtet zum Beispiel von einem Menschen der besessen, blind und stumm war. Auch der wurde von Jesus geheilt. Ich denke, es ist wichtig, dass wir uns darüber Gedanken machen, was unsere geistlichen Krankheiten und Probleme sind, damit wir Jesus um Heilung bitten können.


  1. Robert

    So hab ich das noch nicht gesehn. Wenn wir ehrlich mit uns selber sind hat jeder mit irgend einer Behinderung zu kämpfen. Wie kriegt mans raus wo man selber steht (welche Behinderung).

  2. Hmm, also konkret würde ich vorschlagen, die Heilungsgeschichten zu lesen und sich mit den Kranken dort zu vergleichen. Bei mir ist es beim Bibellesen oft so, dass ich spontan merke, dass Gott mir da was sagen will. Zum Beispiel bei dem Gelähmten habe ich gemerkt, dass ich auch dringend die Sündenvergebung durch Jesus nötig habe, weil ich jemand bin, der immer stark mit seinem Verhalten unzufrieden ist, sodass mein Gewissen belastet und ich gelähmt werde.

    Oder eben Gott fragen, wo die eigenen Probleme liegen. Man kann sich auch ein bisschen Gedanken über das eigene Verhalten machen und sich über die Krankheiten informieren, die in der Bibel auftauchen und dann versuchen, sie auf die geistliche Ebene zu übertragen.
    Oder auch mit anderen Menschen darüber reden, die haben auf dich einen anderen Blickwinkel und können manchmal Dinge an einem entdecken, die einem selbst nicht so bewusst sind.

    Du hast (wenn ich mich richtig erinnere) mal sowas geschrieben, dass du auf der Arbeit das Gefühl hast, dass du nichts zustande bekommst. Solche Gedanken sind auf jeden Fall lähmend, würde ich sagen. Das liegt wahrscheinlich nicht an einem schlechten Gewissen oder Traumata (wie ich die Ursachen der Lähmung oben beschrieben habe).
    Aber die Wirkung ist gleich. Mangelndes Selbstvertrauen führt auch dazu, dass man die Dinge nicht mehr so anpackt, wie Gott sich das eigentlich gedacht hat.
    Vielleicht hilft es dir weiter, bei so einer Ferndiagnose kann man sich natürlich auch leicht irren.

    Gruß und Segen,
    Philip.

    P.S.: Bei der Geschichte mit dem Gelähmten finde ich auch interessant, dass Jesus hier auf den Glauben von den Leuten schaut, die ihn durch das Dach zu ihm herunter lassen. Das heißt ja eigentlich, dass ein Gelähmter von dem Glauben seiner Freunde profitieren kann und durch ihren Glauben unterstützt und geheilt wird.
    Für uns heißt das, dass wenn wir jemand sehen, der so eine Lähmung hat, dass wir ihm dann durch unseren Glauben unterstützen und wir ihn mit seiner Krankheit zu Jesus tragen, wenn er es aus eigenem Antrieb nicht schafft.

  3. Sehr schöner Artikel, Philip – danke für diese Anregungen!

    Es gehört seit langem zu meinen „Standards“, die Aussagen der Bibel, Jesu Worte usw., auf ALLEN Ebenen wahr-zu-nehmen. Auch dass krankhaftes Denken, Reden und Verhalten, alle Krankheiten, ja sogar sog. „Schicksalsschläge“ nicht nur ein Ausdruck des seelischen Zustands des „Patienten“ sind, sondern eben auch direkt mit dem geistlichen Leben korrespondieren – in unserem Kontext also auch Botschaften von Gott sind.

    Diese Sichtweisen eröffnen wirklich interessante Perspektiven und entsprechen ja auch einem ganzheitlichen Menschen- und Weltbild.
    Gefahren sehe ich hier in pauschalen Zuordnungen und liebloser Diagnose, die eben nicht die komplexen Zusammenhänge erfassen, sondern auf ein Merkmal reduzieren, etwa: Du hast Knieprobleme – also fehlt es dir an Demut (auf die Knie gehen). Da gibt es ja diese Bücher von Rüdiger Dahlke, die das Thema systematisieren.

    Grundsätzlich sehe ich es aber als eine sehr hilfreiche Perspektive und „Therapieansatz“…

    Gruß + Segen
    Bento

  4. Ja, danke nochmal für den Hinweis, dass man sowas nicht pauschalisieren kann.
    Mir ging es eher darum, dass man auf solche Dinge achtet, wenn man die Bibel liest und aufmerksam dafür ist, ob Gott einem durch die Geschichten in der Bibel etwas in die Richtung mitteilen will.

  5. rotegraefin

    „Im Himmelreich ist mehr Freude über einen Sünder der Buße tut, als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.“
    So bin ich froh über Dich dass es Dich gibt. Philip übersieh bei Deinem Kampfesgeist nicht dass Du immer ein Ebenbild Gottes vor Dir hast, dann könnt ihr beide nur gewinnen.

    Hier noch ein Zitat:
    „Wela tachlân l’nesjuna elapatzân min bischa (aramäisch)

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen (Lutherbibel)

    Lass oberflächliche Dinge uns nicht irreführen,
    sondern befreie uns von dem, was uns
    (von unserem wahren Ziel) zurückhält.

    Lass uns nicht in Vergesslichkeit geraten,
    in die Versuchung der falschen Erscheinungen.

    (Auf das trügerische innere Schwanken-
    wie in eine im Winde flatternde Fahne-
    mache uns aufmerksam.)

    Brich die Macht der Unreife,
    den inneren Stillstand, der gute
    Früchte verhindert.

    (Vom Bösen der Ungerechtigkeit-
    von den grünen Früchten und den verdorbenen-
    befreie uns.)

    Lass uns weder vom Äußeren noch vom Inneren getäuscht sein,
    befreie uns, so dass wir Deinen Weg mit Freude gehen können.

    Bewahre uns davor, falschen Reichtum zu horten, und vor
    der inneren Scham, Hilfe nicht zur rechten Zeit gegeben zu haben.

    Lass oberflächliche Dinge uns nicht irreführen,
    sondern befreie uns von dem, was uns zurückhält.“

    Du bist göttlich und okay und Du darfst Fehler machen und daraus lernen.