Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:
geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;
töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;
weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;
Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;
suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;
zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;
lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.
Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.
Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen.
Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.
Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.
Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.
Ich merkte, dass alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun. Das alles tut Gott, dass man sich vor ihm fürchten soll.
Was geschieht, das ist schon längst gewesen, und was sein wird, ist auch schon längst gewesen; und Gott holt wieder hervor, was vergangen ist.
(Prediger 3,1-15)

Das Buch Prediger von Salomo ist eigentlich sehr untypisch für die Bibel. In dem Buch steckt auf alle Fälle viel Weisheit. Aber es besitzt die Grundhaltung, dass alles irgendwie sinnlos ist und man allem hilflos ausgeliefert ist.
Steht das im Widerspruch zum hoffnungsvollen Evangelium? Ich denke nicht, denn in ihm steckt die endgültige Antwort Gottes:

Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!
(2. Korinther 6,2b)

Oder wirst Du den Tag des Heils verschlafen?


  1. curioustraveller

    Ein wunderschöner Text aus dem – nach meinem Empfinden – coolsten Buch des Alten Testaments. Der Prediger schaut sich das Leben an einigen Stellen aus der Sicht eines Menschen an, der Gott nicht kennt, kriegt aber immer wieder den Bogen hin zu Gott.

    >> Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.
    Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.<<

    Das ist eine Gelassenheit, ein sich Hineinfallen-Lassen in die Gnade Gottes, die uns teilweise doch etwas unentspannten evangelikalen Christen gut tut. Oder täte.

  2. Vor langer Zeit besuchte ich meine todkranke Uroma. Ich setzte mich an ihr Bett, brachte ihr einen kalten Kaffe (sie hasste Mineralwasser :) und unterhielt mich mit ihr.

    Damals wußte ich noch nichts von der Bibel. Und plötzlich mitten im Gespräch zitierte sie diese Stelle. Ich kannte sie nicht und wußte nicht, was ich dazu sagen sollte. Ich spürte, dass die Worte mehr waren als das was diese einfache Frau sonst sprach.

    Ich war damals sehr ergriffen. Und heute wenn ich diese Stelle wieder lese, dann muss ich immer an diesen Moment zurückdenken. Meine Oma hat wohl gewusst, dass für sie jetzt die Zeit zum sterben gekommen war. Und sie hat das ganz gelassen hingenommen im Vertrauen auf Gott. Diese Gelassenheit ist etwas wonach ich noch strebe!