(Eine Antwort auf Glauben + X von Bento)

Heutzutage wird unter „Glaube“ häufig das hier verstanden:

Glaube bedeutet, dass man eine Sache für wahr hält, ohne sie beweisen zu können.

In diesem Sinne glauben nun viele Leute daran, dass Jesus Gottes Sohn ist, dass er uns von unseren Sünden erlöst, usw.

Jetzt behaupte ich aber, dass man das alles und alles weitere, was in der Bibel steht, für wahr halten kann, ohne überhaupt den Glauben zu haben, der einen (dem Evangelium gemäß) vor Gott rechtfertigt und einem das ewige Leben sichert. Also Vorsicht! Meiner Meinung nach wird da leider oft zu fahrlässig gepredigt und gelehrt.

Das war jetzt der Hammer, jetzt wieder zur Erleichterung: es gibt keinen Katalog an frommen Taten, der erfüllt werden müsste. Ich bin davon überzeugt: Der Glaube an Jesus Christus ist die notwendige und hinreichende Bedingung, um gerettet zu werden. Glaube an Jesus, dann hast du das ewige Leben.

Die Sache ist die, dass die Bibel einen anderen Glaubensbegriff hat, als wir das heute oft verstehen. Die Bibel selbst erklärt den Begriff „Glaube“ nämlich so:

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.
(Hebräer 11,1)

Fast jede Übersetzung ist hier etwas anders. Ich habe Luther 1984 zitiert, aber es lohnt sich auch, die Stelle mit anderen Übersetzungen zu vergleichen.

Ich denke, der Begriff des Glaubens geht hier tiefer, als in der ersten Definition. „Etwas für wahr halten, ohne es beweisen zu können“ wäre wohl so in etwa gleichzusetzen mit „Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht“. Aber zusätzlich kommt hier noch die „feste Zuversicht auf das, was man hofft“ ins Spiel.

Also ich halte zum Beispiel für wahr, dass Neil Armstrong der erste Mensch auf dem Mond war. Was bedeutet das aber für mein Leben? Nichts. Ich setze darauf keine Hoffnung in irgendeiner Weise. Es hat für mich persönlich keinerlei Bedeutung.
Natürlich könnte man meinen, dass die Dinge in der Bibel automatisch Hoffnung in ein Leben bringen, wenn man sie für wahr hält. Das ist wahrscheinlich schon so, aber es fehlt immer noch die feste Zuversicht. Das Problem, das hier auftreten kann, ist die Sache, dass der Mensch manche Dinge sehr gut ausblenden kann. Er verdrängt und vergisst.
Ein Beispiel hierfür ist der Tod. So halte ich es beispielsweise für wahr, dass ich mal sterben werde, aber für meinen Alltag spielt das keine große Rolle. Das wird verdrängt und manchmal sogar verleugnet. Man hält es für wahr, aber will es nicht wahr haben.

Unser Handeln wird nicht einfach von den Dingen bestimmt, die wir für wahr halten. Selbst die rationalsten Menschen sind dazu nicht in der Lage. Unser Handeln wird von den Dingen bestimmt, die wir glauben. Die Dinge, auf die wir eine feste Zuversicht haben, die bestimmen, was wir tun.
Und so zeigt sich unser Glaube im Alltag. Haben wir eine feste zuversicht auf Jesus, oder dann doch eher auf unser Geld? Was bestimmt unser Handeln? Spielt Jesus in unserem Alltag die wichtigste Rolle, oder wird er da einfach wieder verdrängt? Richten wir unser Handeln nach ihm aus, oder haben wir auf andere Dinge eine noch festere Zuversicht?
Ich möchte das nicht unbedingt gegeneinander ausspielen. Es ist z.B. gut, dass wir glauben, dass uns die Medizin von einer Krankheit heilen kann usw. Aber ich denke, letztlich sollte in allen Bereichen unseres Lebens die Zuversicht auf Jesus durchschlagen und sichtbar werden. Damit meine ich jetzt nicht, dass man sich „Jesus“ auf die Stirn tätowieren und bei jeder Gelegenheit einen Bibelspruch parat haben soll. Sondern ich meine damit, dass wir aus unserem Glauben die Kraft für alle Situationen in unserem Leben schöpfen. Dass wir durch die innere Veränderung, die der Glaube in uns bewirkt, die Werke der Barmherzigkeit tun und Jesu Gebote halten wollen.

Ich habe das schon so oft erlebt. Da wird Jesus gefeiert und sobald die Veranstaltung vorbei ist, sind die Leute nicht mehr von den anderen Menschen auf der Straße zu unterscheiden. Als ob wir Christen einen Schalter in uns hätten, einen „frommen Modus“ und einen „Anpassung an die Welt Modus“. Auf einmal wird Jesus wieder ausgeblendet und andere Dinge werden wichtiger.
Ich denke, so hat das Jesus nicht gemeint, dass man so das ewige Leben erlangen könnte.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das jetzt wieder zu drastisch formuliert habe. Aber ich denke, wir sollten uns nicht an dem, was „notwendig“ ist, orientieren, sondern an dem, was möglich ist. Irgendwann sollte man soweit im Glauben wachsen, dass man sich nicht fragt „was muss ich tun?“, sondern „was kann ich tun?“ In diesem Sinne möchte ich mich auch ein Stück weit vom Erbe der Reformation lösen. Die Frage, wie man vor Gott gerechtfertigt wird, war damals wichtig und sie ist auch heute noch wichtig. Aber sie ist nicht so wichtig, dass sie unser ganzes christliches Leben bestimmen sollte. Irgendwann sollte man die Frage mal abhaken und sich dem zuwenden, was Jesus mit uns geplant hat.

Denn was ist das für ein Liebe, wenn die einzige Motivation stets das eigene Seelenheil ist? Jesus sagt zu seinen Jüngern, dass sie vollkommen sein sollen, so wie unser Vater im Himmel vollkommen ist (Mt 5,48).
Die Kunst besteht nun darin, diesen Anspruch zu verfolgen, ohne daran zu zerbrechen. Aber mit Jesu Hilfe ist das möglich.



  1. Jo. Glaube heisst ja im Griechischen gleichwertig auf Vertrauen. Und das passt im Deutschen eigentlich viel besser. Wem ich vertraue, dem traue ich über den Weg, von dem lasse ich mich leiten, dem gebe ich mich hin, dem gestatte ich Autorität über mein Leben. Durchbuchstabiert wird das im Alltag.

  2. Guter Beitrag Philip!

    Es ist wirklich die Frage, haben wir diese feste Zuversicht auf alle Verheissungen des Evangeliums, obwohl wir sie (noch) nicht sehen:
    Ihr SEID Salz und Licht, ihr seid aus der Finsternis erlöst und im Reich Gottes, ihr seid vollkommen usw… es heißt nirgends „werdet“ Salz, Licht, Kinder Gottes, vollkommen! Es heißt auch nicht besiegt den Widersacher, sondern widersteht ihm, denn er IST besiegt (sonst könnten wir ihm ja gar nicht widerstehen!)und das ist eben die grosse Herausforderung des Lebens eines Christen – glauben wir das wirklich und kann sich so auch das in unserem Leben manifestieren, wofür Jesus gelitten hat?! Oder halten wir es nur für wahr, leben aber ein „normales“ Leben und schalten Sonntags mal auf das religiöse Programm um…

    Segen

  3. Ja Salz sein ist keine leichte Aufgabe. Salz brennt oft in den Wunden.
    Vor allen Dingen, wenn in der Einbildung gelebt wird, Schmerz dürfte nicht sein. Wer in der Nachfolge Christi geht, wird die Frage stellen: „Warum schlägst Du mich?“