Menschen können durch das simple Wiederholen von Worten stark beeinflusst werden.
Hier ein interessantes Video, das diesen Sachverhalt genauer erklärt:
Neben der Werbeindustrie wird diese Methode natürlich auch von Sekten angewandt. Ein illustratives Beispiel dazu habe ich auf Donralfo’s Blog gefunden:
Gehirnwäsche Live
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Mai 4, 2009 at 10:14
Wiederholung hält den „Kunden“ für dumm. Mündige „Kunden“ sind schnell genervt von Wiederholung. Vertrauen wird nur geschaffen durch Qualität – und eben Vertrauen. Wenn der Kunde aber das Gefühl hat, durch die „Wiederholung“ gecatcht werden zu sollen, wird er alles andere als Vertrauen aufbauen.
Mai 4, 2009 at 11:45
Es stimmt natürlich schon, dass man mit dem Bewusstsein gegensteuern kann und es hilft, wenn man den Trick kennt. Aber dass sich ein „mündiger Kunde“ so einfach dem Einfluss entziehen kann, glaube ich nicht.
Und das will ich eigentlich auch zeigen, was die Sekten angeht. Da gibt es so viele Leute, die meinen, dass ihnen das nicht passieren könnte, aber eigentlich ist man erst wirklich sicher davor, wenn man weiß, dass jeder Mensch für Manipulationen anfällig ist.
Nehmen wir z.B. den Nationalsozialismus. Selbst intelligente Leute wie Günter Grass konnten sich dieser Ideologie nicht entziehen.
Mai 4, 2009 at 12:05
Oha! Ich habe damals auf der Bühne als Lobpreisleiter unbewusst ständig mit dieser Methode gearbeitet. Ich nehme an, daß das bei vielen „charismatischen“ Predigern oder Leitungspersönlichkeiten der Fall ist. Ob das Ok. ist, wenn man die Leute nicht bewußt manipulieren will, sondern zum glauben führen will?
Mai 4, 2009 at 12:36
Hm, ich finde, dass sich das schwer sagen lässt, was ok ist und was nicht. Ich würde auch einem Verkäufer nicht unbedingt einen Vorwurf machen, der diese Methode bewusst einsetzt. Im Prinzip verdeutlicht er ja nur, was er gesagt hat. Ich würde grundsätzlich sagen, dass eine gewisse Einflussnahme in Ordnung ist, schädliche Manipulation nicht. Und die Grenze zwischen beidem ist fließend.
Man muss ja auch hinhören, was da eigentlich wiederholt wird. Der W+G’ler wiederholt ja zwanzig mal das Wort „folgen“. Die Leute werden hörig gemacht und das ist vollkommen inakzeptabel. Da kann ich mir auch kaum noch vorstellen, dass das unbewusst gemacht wird.
Mein Problem mit der charismatischen Glaubenspraxis ist, dass diese psychologischen Phänomene (wie z.B. Hypnose) nicht mehr von dem getrennt wird, was wirklich geistgewirkt ist. Ich hoffe, das ist jetzt keine Anfechtung für deinen Glauben, was ich hier schreibe. Bei mir ist das ehrlich gesagt schon eine, weil ich gemerkt habe, dass ich da in der Vergangenheit etwas zu naiv gewesen bin.
Mai 4, 2009 at 12:51
@Philip: Nee, keine Anfechtung nich!
Nur interessant für mich, da ich mir über das Thema auch schon sehr lange meine Gedanken mache.
Mai 5, 2009 at 1:25
Hallo Philip,
schön hier wieder was von dir zu lesen!
Naja, Wiederholung ist in der Anbetung jdf. nicht von Übel, die Anbetenden vor Gottes Thron sagen Tag und Nacht ständig: „heilig, heilig, heilig ist der Herr“!
Segen
Mai 5, 2009 at 12:36
@Bento: Na da bringst Du mal wieder den KRACHER!
Die Antwort ist echt JesusLIke!
Mai 5, 2009 at 8:17
Manipulationsmethoden wie ständige Wiederholungen (oft auch im drohenden Ton) werden tatsächlich in einigen christlichen Gemeinden durch den/die Prediger angewandt. Ob das bewusst oder einfach durch Nachahmung eines übergeordneten Leiters getan wird ist m.E. erstmal unerheblich.
Fakt ist für mich ist, dass so etwas unmoralisch und abzulehnen ist. Selbst wenn der Zweck gut ist. Die kath. Kirche lehrt z.B. zu Recht, dass der Zweck niemals die Mittel rechtfertigt.
Gott gibt uns auch die volle Freiheit uns zu entscheiden. Für oder gegen ihn. Er manipuliert uns nicht. Er will, dass wir uns aus Liebe in freier Entscheidung ihm uns zuwenden. Das sollten wir als Christen m.E. auch beherzigen.
Ich selbst habe Manipulation durch Wiederholungen bereits in einer meiner früheren Gemeinden erlebt. Auch bei W+G ist das m.E. klar der Fall.
Philip, Du hast Recht, dass man bei manchen charismatischen Gemeinden nur schwer unterscheiden kann, was geistgewirkt und was einfach ein psychologischer Effekt ist.
Ich habe in einem Seminar über Hypnose gelernt, dass viele Menschen sich unter Hypnose nicht gezwungenermaßen so verhalten wie man das erwartet (umfallen etc.), sondern, dass sie mehr oder weniger bewusst einfach das imitieren, was sie bereits bei anderen unter Hypnose gesehen haben. Ähnlich dürfte das bei Todd Bentley z.B. gewesen sein mit dem reihenweise Umfallen von Gläubigen bei seinen „Salbungen“ bzw. „Segnungen“.
Die Menschen sind leider häufig viel zu naiv und fallen auf solche Manipulationstechniken herein.
Mai 5, 2009 at 9:25
@Stef:
Ich geb dir ja auch irgendwie Recht.
Aber muss man dann auch das Rosenkranzgebet verurteilen? Das setzt ja auch auf Wiederholungen. Und was ist mit Psychotherapeuten, die diese Methode einsetzen, um ihren Patienten zu helfen?
Und letztlich ist die Wiederholung einfach auch ein rhetorisches Stilmittel. Man kann kaum eine ansprechende Rede halten, wenn man komplett auf Wiederholungen verzichtet.
Also ich tu mir da schwer, die Grenze zu ziehen, ab der es eine Manipulation ist.
@Bento:
Kommt darauf an, wen man anbetet
Mai 6, 2009 at 7:56
Mei Philipp! Beim Rosenkranzgebet kannst Du Dich höchstens selbst in Trance beten. D.h. Du manipulierst sicherlich niemanden anderes damit, sondern maximal Dich selbst (was ich nicht unbedingt als Sünde bezeichnen würde…).
Hier ging es doch um den MISSBRAUCH von Wiederholungen bzw. um Manipulation, was per Definition nur den Missbrauch betrifft.
Damit ist es natürlich dem Psychotherapeuten auch erlaubt Wiederholungen zu benutzen, um dem Patienten im Rahmen einer Therapie in Hypnose o.ä. zu versetzen, WENN er das vorher mit dem Patienten so vereinbart und ihn genügend aufgeklärt hat.
Und natürlich darf und kann man in Predigten die Wiederholung als rhetorisches Stilmittel verwenden, wenn man damit die Zuhörer nicht manipuliert.
Liebe Grüße,
Stefan
Mai 6, 2009 at 7:57
Sorry, jetzt habe ich Dich schon wieder mit „pp“ geschrieben. Kannst Du nicht Deinen Namen ändern…
Mai 6, 2009 at 9:18
@Stef: Ich finde den Unterschied schon gravierend, ob man Leute bewusst manipulieren will, oder unbewusst.
Ich denke in jeder menschlichen Beziehung, egal ob Ehe, Freundschaft, Band oder Partei (oder eben Gemeinde) wird auf die eine oder andere Art versucht zu manipulieren.
Das ist doch ganz menschlich und gehört zum Leben dazu.
Man versucht halt irgendwie seine Meinung oder Ziele beim Partner oder der Gruppe durchzubringen.
Man kann ja auch lernen, sich gegen Manipulation zu wehren!
Mai 6, 2009 at 7:38
@Stef:
Ja ok, Missbrauch ist abzulehnen, aber Manipulation betreibt man mit so ziemlich allem, was man tut. Schon wenn man hier einen Kommentar schreibt, beeinflusst man die Leser damit. Die Frage ist, ab wann die Einflussnahme so groß ist, dass sie dem Anderen Schaden zufügt, oder ab wann man es benutzt, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen.
Und das Problem ist, dass man den Schaden bei einem Anderen oft erst feststellen kann, wenn es schon weit fortgeschritten ist.
Oder auch eine Sache des Standpunkts:
Nehmen wir an, du würdest mich mit deinen Kommentaren so beeinflussen, dass ich katholisch werde. Das würdest du sicher als „gut für mich“ sehen, ich sehe das eher nicht so.
@DonRalfo:
Es macht einen Unterschied in der Bewertung der Person, ob die Manipulation (oder genauer: der Missbrauch) bewusst oder unbewusst durchgeführt wird, aber nicht in der Bewertung des Vorgangs an sich.
Die Gehirnwäsche bleibt natürlich abzulehnen. Vor allem, wenn es auch Ziele sind, die den Leuten nicht ehrlich gesagt werden. Dass eine Evangelisation die Absicht hat, Menschen zum Glauben an Jesus Christus zu führen, ist kein Geheimnis.
Das Gefährliche an einer Sekte ist, dass dir die Ziele nicht offen gesagt werden. Wenn die bei Wort+Geist von Anfang an sagen würden, dass sie dich dazu bringen wollen, nur noch auf Helmut Bauer zu hören, dann würde jeder Neuling gleich das Weite suchen. Diese Absicht sickert erst allmählich durch, zu einem Zeitpunkt, zu dem der Betroffene schon so eingebunden ist, dass er überhaupt nicht mehr objektiv wahrnehmen kann, dass ihm damit Schaden zugefügt wird. Und ich glaube, das ist auch ein wichtiger Punkt, der die Sache so heimtückisch macht. Die Wiederholungen sind ja nur ein Mosaiksteinchen im ganzen System.
Mai 7, 2009 at 10:00
@donralfo:
Natürlich macht es einen Unterschied, ob Manipulation bewusst oder unbewusst eingesetzt wird. Jedoch nur, was die persönliche Verantwortung/Schuld angeht. Die Auswirkung (d.h. der Schaden) ist die Gleiche.
Da einige christliche Gemeinschaften abstreiten, geistlichen Missbrauch durch Manipulation zu betreiben, „nur“ weil ihnen die eigene Manipulation (durch ihre Predigten z.B.) nicht bewusst ist, habe ich ganz bewusst keine Unterscheidung zwischen „bewusster“ und „unbewusste“ Manipulation gemacht (zumindest was die Einstufung als moralisch unzulässige und verwerfliche Methode betrifft).
Natürlich kann man sich bis zu einem gewissen Grad vor Manipulation schützen. I.d.R. ist dies aber nicht möglich, da eine Manipulation meist nicht vom „Opfer“ bemerkt wird (ansonsten wäre es keine wirksame Manipulation mehr).
Auch wenn wir selbst oft andere unbewusst in Gesprächen etc. manipulieren, ohne es wirklich zu wollen und auch wenn es schwer ist, das ganz zu vermeiden, bleibt es dabei, dass Manipulation eine Sünde ist und anderen Schaden zufügt, die man (zumindest als Christ) zu unterlassen hat.
D.h. praktisch, dass wenn mich jemand darauf hinweisen würde, dass meine Art und Weise etwas zu tun manipulierend sei, dann müsste ich das ernsthaft prüfen und das ggf. ändern. Ich könnte mich nicht einfach darauf berufen, dass sich der andere doch selbst davor schützen kann oder soll.
@Philip:
Guter Kommentar.
Ich versuche übrigens, Dich davon zu ÜBERZEUGEN, dass der kath. Glaube „gut“ und „wahr“ ist und Dich nicht zu manipulieren
Überzeugungsarbeit zu leisten, die sachlich ist, niemanden in die Enge treibt (z.B. durch unterschwellige Drohungen) oder nicht die Schwächen des anderen ausnützt und sich nicht einer unzulässigen Argumentation bedient (z.B. durch Verleumdung anderer oder Verbreitung von Lügen, Halbwahrheiten etc.) ist m.E. absolut zulässig und auch geboten.
Im Übrigen zählt vor Gott ja auch nur „echter“ Glaube und nicht erzwungener bzw. manipulierter.