(12b) schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern.
(13) Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.
(Philipper 2,12b-13)
Betrachten wir nur Vers 12, dann liegt es in unserem Verantwortungsbereich, dass wir selig werden. Dann hängt das Entscheidende zur Rettung an unserem Tun. Betrachten wir nur Vers 13, dann haben wir eine Art christlichen Fatalismus: Gott bewirkt sowieso alles, dann brauchen wir uns um nichts mehr zu kümmern. Und beide Folgerungen sind falsch.
Betrachten wir beide Verse zusammen, dann wird hier ein grundlegendes Spannungsfeld auf den Punkt gebracht: „Unser Schaffen“ versus „Gottes Wirken“. Ich kann das nicht auflösen und es bleibt mir ein Rätsel, wie diese beiden Dinge ineinander greifen.
Aber wir können aus den Versen ein paar Dinge lernen:
- Es gibt einen Grund zu handeln. Denn wir sollen schaffen, dass wir selig werden.
- Es gibt keinen Grund zu verzweifeln. Wenn Gott alles in uns wirkt, sowohl das Wollen als auch das Vollbringen, dann können wir auch alles schaffen, was er will.
- Es gibt keinen Grund, stolz auf unsere Leistung zu sein. Es ist nicht unser Verdienst, was wir geschafft haben, sondern von Gott gewirkt.
- Es gibt einen Grund, Gott für alles dankbar zu sein. Denn er bewirkt beides in uns, das Wollen und das Vollbringen.
Juni 29, 2009 at 10:38
Gute Beobachtung! Diese Art von Dualismus oder Komplementarität durchzieht eigentlich die ganze Bibel. Wenn eine Gruppe nur eine der beiden Seiten betont, ist das immer bedenklich. Ist mir z.B. bei UBF aufgefallen. In ihrem Kommentar zu Phil 2 wird nur Vers 12 betont: „Mit Furcht und Zittern“. So haben sie ihre Schäfchen halt gerne (http://www.ubf-home.de/2003/12/09.htm).
Übrigens, es ist auch interessant, in welcher Weise das bei UBF weitergedacht bzw. interpretiert wird: Zitat: „Indem wir alles ohne Murren und Diskutieren tun.“ Soll man wirklich alles ohne Diskutieren tun? Das ist das typische Muster der UBF-Bibelinterpretation: Man nehme einen Bibelabschnitt, lasse die Hälfte weg, und gehe dann 2-3 Schritte über das hinaus, was die andere Hälfte sagt. Und das ganze ohne Bezug zum Rest der Bibel.
Juni 30, 2009 at 10:27
Danke für den Link. Da wird wirklich die schiefe UBF-Theologie deutlich. Sofern man von einer Theologie sprechen darf. Eine systematische Herangehensweise an die Bibel gibt es dort ja nicht. Das hat mich auch immer gestört, dass die Bibel immer nur bruchstückhaft betrachtet wird und nie versucht wird, ein Thema systematisch zu behandeln. So bekommt man nie einen größeren Überblick. Und Querverweise auf andere Bibelstellen werden nicht gern gesehen, weil man ja etwas vom „heutigen Text“ „lernen“ soll.
Juni 30, 2009 at 5:08
Hallo Philip – Ich finde es aufschlußreich, Gal 5, 1 einmal im Anschluß an Phil 2, 12b zu lesen. Darüberhinaus bin auch ich der Ansicht, daß die zu systematischem Schriftstudium kaum oder gar nicht Fähigen die Regel beherzigen sollten, daß man eindeutige Verse nicht durch – vermeintlich – mehrdeutige Bibelstellen relativieren sollte. Andernfalls gleicht die Heilige Schrift am Ende in der Tat dann nur noch einem Steinbruch, in dem es keine Leser und Hörer derselben mehr gibt, sondern lediglich Sklaven des Buchstabens.
September 20, 2009 at 9:30
Philipp,
es gibt aber einen Grund stolz und glücklich ein Kind Gottes zu sein und zu wissen, dass ich nichts ohne seinen Willen tun
kann. Da beinhaltet die frohe Botschaft.